-del- METTINGEN. „Die Fotografie ist ein Hilfsmittel zur Auseinandersetzung mit Dingen, von denen jeder weiß, ohne sich damit zu befassen.“ Diesen Ansatz des US-amerikanischen Fotografen Emmet Gowin verfolgen auch Fotograf Jörg Lehmkühler und seine acht Kollegen aus der „Werkstatt für Photographie“.
„Mythos im Wandel“ heißt die Ausstellung, die die neun Fotografen jetzt unter dem Dach des Fördervereins Mettinger Schultenhof zusammengestellt haben. Im dritten Gemeinschaftsprojekt von Verein und Werkstatt nach der Schau zu Gedenkorten des Ersten Weltkriegs unter dem Titel „GeDenkorte 2014-2015“, die vor vier Jahren im Kunstspeicher zu sehen war, und der Fotoausstellung zum Thema „Braunkohle-Tagebau“ im vergangenen Jahr drehen sich die aktuellen Werkserien um den Steinkohlebergbau, der 250 Jahre lang nicht nur die Region bestimmt hat und Ende 2018 endgültig Geschichte wurde.
„Schicht im Schacht“ war für die Fotografen Christian Becker, Dieter Blase, Bernd Kappenberg, Richard Klumpp, Richard Korff, Jörg Lehmkühler, Frank Lemken, Georg Niklasch und Marc Sestrup Anlass genug, hinter die Kulissen zu schauen und das eine oder andere Detail in ein neues Licht zu rücken.
„Das nicht Offensichtliche erhält in der einfühlsamen, sachlich fotografisch analysierten Darstellung eine eigene Schönheit“, beschreiben die Fotografen die Auswahl ihrer Motive und deren Inszenierung. Da geht es nicht nur um Zechenbahnen und Fördertreibscheiben, sondern auch um Fördergerüste und ehemalige Zechensiedlungen und nicht zuletzt um den Strukturwandel und seine Folgen.
Die technische Entwicklung über viele Jahrzehnte wird ebenfalls dokumentiert. So erinnert Dieter Blase in Wort und Bild an die erste elektrische Fördermaschine Europas, die Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Dortmunder Zeche Zollern in Anwesenheit des Kaisers Wilhelm II. eingeweiht wurde. Wenige Fotos daneben eine halbautomatische Förderscheibe, wie sie auf der Essener Zeche Zollverein bis zu deren Schließung 1986 im Einsatz war. Dazwischen das Bild einer Treibscheibe, wie sie im Jahr 1954 auf dem Mettinger Nordschacht verwendet wurde.
Die neun Fotografen waren nicht nur viel unterwegs, um ihre Motive aufzuspüren und festzuhalten, sondern haben sich auch intensiv miteinander ausgetauscht, um die Fotografien zu schlüssigen Serien zusammenzustellen. „Wir wollten überzeugende Ergebnisse, unter denen die Betrachter sich etwas vorstellen können“, macht Dieter Blase deutlich.
Dieter
Blase (v.l.), Jörg Lehmkühler, Georg Niklasch, Marc Sestrup,
Richard Korff sowie vier weitere Fotografen haben die aktuelle
Ausstellung „Mythos im Wandel“ als Gemeinschaftsprojekt mit dem
Förderverein Mettinger Schultenhof konzipiert. Foto: Dietlind
Ellerich