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Wanderungen für
mehr Entdeckungen
Zeitungsbericht von Wilm
Froese in der IVZ vom 15.06.2010
zur Ausstellungseröffnung
"Ortswechsel" in Dörenthe und Mettingen
Die Funny Red Line, die die Kunstvereine in
Ibbenbüren und Mettingen miteinander verbindet, ist seit dem Samstag
wieder einmal zur Transitstrecke für Kunstwerke geworden. Während im
Rahmen der Doppel-Ausstellung "Ortswechsel" zwei Ibbenbürener
Künstlerinnen ihre Werke im Mettinger Kunstspeicher präsentieren, hat
der Dörenther Kulturspeicher zweifachen Besuch aus Mettingen.
Dort am Kanal kann man bis zum 11. Juli, je
sonntags von 14 bis 18 Uhr, Werke von Eduard Berms-Batas und Renate
Pfennig kennenlernen. Zur Vernissage am Samstagnachmittag ließen die
Mettinger Künstler sich von Bernhard Kötter, Vorstandsmitglied des
Fördervereins Schultenhof , begleiten, der den zahlreichen Besuchern die
so unterschiedlichen Persönlichkeiten und Werke vorstellte.
Im vorderen, gradlinig-betongrauen
Ausstellungsraum erläuterte er Renate Pfennigs "Grenzräume".
Geometrische Figuren bilden die Grundlage der zumeist als farbkräftige
Acrylbilder auf Leinwand oder Bütten gestaltete Werke. Aber das
eigentliche "Geschehen" spielt sich in den Berührungszonen ab. Dort
überlagern sich Farbflächen, mischen sich, schieben sich als Lasuren
übereinander oder ergeben neue, eigene Räume. So kommt eine Tiefe
zustande, wie sie Perspektive und Licht hervorrufen könnten. Die
diplomierte Grafik-Designerin Pfennig trägt ihre Farbe, auch mal
Aquarell und Kreide, mit unterschiedlichem Werkzeug auf, mit Pinsel,
Schwamm, Spachtel oder der Hand. Eine endgültige Planung gibt es so
nicht, es bleibt immer Platz für Spontaneität. und es bleibt auch Platz
für den Betrachter, der in diesen "Grenzräumen" wandern will.
Die "Lebenslinien" von Eduard Berms-Batas im charaktervollen
hinteren Ausstellungsraum bilden einen reizvollen Kontrast zu den
geometrischen Strukturen von Pfennig. Sie sind einerseits eine Art
Tagebuch eines prallen Lebens mit weiten Reisen und vielfältigen
beruflichen Erfahrungen asl Architekt. Exakte Uhrzeit der
Fertigstellung, Wetter und andere Daten erscheinen im Titel, die
Materialien, Federn, Fundstücke menschlicher Tätigkeiten und immer Sand
aus allen Teilen der Erde sind Fixpunkte der Erinnerung.
Die Formen aber, die sich ergeben, die Zahlen und Zeichen, die sich
immer wieder finden, sind unmittelbarer Ausdruck von Gefühlen. Da steht
Berms-Batas in der Tradition des Informel. Die Rhythmen seiner Bilder,
der Fluss der Linien, die sichere Komposition zeigen jedoch, wie sehr
die Gestaltungsfähigkeit, der Gestaltungswille und die künstlerische
Erfahrung fester Bestandteil der sich äußernden Persönlichkeit sind. Und
so entstehen Bilder von großer Ästhetik, die weit über das Persönliche
hinausgehen.
So geht die Gruppe der Werke in dem einen Raum des
Speichers vom Allgemeingültigen der Geometrie zum Individuellen der
Grenzraumerfahrung, in dem anderen vom unmittelbar Persönlichen zum
Offenen für jeden Betrachter. Man sollte sich auf ausgedehnte
Wanderungen zwischen den beiden Bildgruppen einstellen, um im Vergleich
mehr darin zu entdecken.
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