Kulturfrühstück
mit dem
Figurentheater „Puppen etc.“
Kulturfreunde am Schultenhof: Frühstück mit Ringelnatz
Kulinarisch-kulturelles Erfolgskonzept
Montag, 09. Mrz.
2020 - IVZ
von Holger Luck
Kulinarischer Genuss
und als Krönung ein kulturelles Dessert: Mit dem Kulturfrühstück hat der
Förderverein Mettinger Schultenhof ein echtes Erfolgsformat geschaffen.
Zur inzwischen achten Auflage kamen am Sonntag erneut mehr als 100
Kulturfreunde und erlebten nach dem Frühstück ein heiter-nachdenkliches
Puppenspiel rund um den Schriftsteller Joachim Ringelnatz.


Fotos:
Karl Dorenkamp
Entwickelt sich weiter zum Erfolgsevent: das
Kulturfrühstück des Fördervereins Mettinger Schultenhof. Diesmal war die
Berliner Puppenspielerin Christiane Klatt zu Gast.
„Unser Konzept, ein
Sonntagsfrühstück mit einem Theaterstück zu verbinden, hat sich bewährt,
die 100 Plätze sind immer in Nullkommanichts vergeben“, gab der
Vorsitzende des Fördervereins, Peter Hillenkamp, Auskunft während er
fleißig Brötchen für die Frühstücksgäste aufschnitt. Mit ihm kümmerten
sich insgesamt zwölf Aktive des Fördervereins um einen reibungslosen
Ablauf der Kulturschlemmerei. „Jeder von uns bereitet etwas für das Buffet
vor und hat hier vor Ort seine Aufgaben – wir sind da inzwischen ein gut
eingespieltes Team.“
Wie eingespielt die Kulturfrühstücksgastgeber sind,
zeigte sich auch beim Umbau zwischen Frühstück und Theater. Da saß jeder
Handgriff, und mancher Gast packte gerne beherzt mit an. Büfett und Tische
weg, die Stühle akkurat in Reihen arrangiert: So wurde in Windeseile aus
dem Frühstückslokal der Theatersaal Schultenhof. Der war beim Puppenspiel
noch ein bisschen voller als beim vorangegangenen Frühstück. Hillenkamp:
„Für das Frühstück können wir schon aus Platzgründen nicht mehr als 100
Anmeldungen annehmen, aber wie schon im vergangen Jahr haben wir aufgrund
entsprechender Anfragen noch einmal an die 40 Karten nur für das
Puppentheater verkauft.“
Und wer gekommen war, dürfte es nicht bereut haben.
Denn der Förderverein hatte seine Kontakte spielen lassen, um als
kulturellen Nachtisch einen ganz besonderen Leckerbissen servieren zu
können. Die Berliner Puppenspielerin Christiane Klatt war mit ihrem
mobilen Theater „puppen.etc“ ins Tüöttendorf gekommen und zeigte ihr
Figurenstück „Ringelnatz – mir scheint da mancherlei nicht klar“.
Mit kleinen und lebensgroßen Puppen, die sie in einer
stimmigen Kulisse aus antiken Möbeln und allerlei Gerümpel zum Leben
erweckte, widmete sich die Künstlerin dem Werk und Leben des Kabarettisten
und Malers. „Ich lasse Ringelnatz‘ Gedichte ganz für sich sprechen und
versuche, mit ihnen seine Biografie nachzuzeichnen“, erklärte die
Figurenspielerin und Theaterwissenschaftlerin am Rande der Vorstellung.
Dabei fanden sowohl die heiteren als auch die ernsten Aspekte der
interessanten Künstlervita Berücksichtigung. Humorvolles aus dem
Ringelnatz-Kosmos, Turngedichte, Seemannsgarn, Geschichten von „Kuddel
Daddeldu,“ stand insgesamt im Mittelpunkt. Dennoch blieben im Verlauf des
Stückes auch die weniger schönen Wendungen im Leben des skurrilen
Künstlers nicht ausgespart: Repressionen und Auftrittsverbote durch das
NS-Regime seit 1933, und ziemlich dicht darauf die Tuberkuloseerkrankung,
an der Ringelnatz 1934, im Alter von 51 Jahren, verstarb.