Szenische Lesung berührt zutiefst
Ulrike Kriener und Georg Weber
IVZ vom 30.1.2017
von Dietlind
Ellerich
Foto: Karl Dorenkamp
Es war ein wunderbarer Abend, den die Schauspieler Ulrike Kriener und Georg
Weber am Freitag auf Einladung des Fördervereins Mettinger Schultenhof im
Bürgerzentrum gestalteten.
METTINGEN.
Ulrike Kriener geht, Ehemann Georg Weber bleibt auf der Bühne. „Liebe Lore, nun
bist du vor mir gegangen.“ Mit diesem ersten Satz des Epilogs lässt er
diejenigen im Publikum, die die „Alte Liebe“ zuvor nicht kannten, erschrocken
und aber auch zutiefst berührt zurück.
Letztere sind
auch die, die das Buch von Elke Heidenreich und Bernd Schröder bereits gelesen
hatten und wussten, was nach knapp zwei Stunden nachdenklicher bis urkomischer
Unterhaltung auf sie zukommen würde.
Es war ein
wunderbarer Abend, den die Schauspieler Ulrike Kriener und Georg Weber am
Freitag auf Einladung des Fördervereins Mettinger Schultenhof im Bürgerzentrum
gestalteten. Eine szenische Lesung des seit knapp 25 Jahren verheirateten Paares
über ein Paar, das seine 40-jährige Ehe auf den Prüfstand stellt, geschrieben
wiederum von einem Paar, dem es Jahre nach seiner Trennung nach über 20
Ehejahren gelungen ist diesen herzerfrischenden Roman, in dem sich wohl jedes
Langzeitpaar ein wenig wieder erkennt, zu schreiben.
Die Autoren
Heidenreich und Schröder hätten sich eine kreative Freundschaft bewahren können,
sagt die Schauspielerin Ulrike Kriener über das Buch, das sie sich mit Ehemann
Georg Weber, Drehbuchautor und ebenfalls Schauspieler, als Projekt fürs Alter
vorgenommen hat.
Es dreht sich respektive die Protagonisten Lore und
Harry drehen sich unter anderem um die Sorge um die erwachsene Tochter und um
die Angst vor dem Tod – dem des anderen oder dem eigenen. Zudem geht es um die
Angst vor dem Ruhestand und um Gedanken zum Glück und zur Liebe, um Zweifel,
Enttäuschung, Frust. Auch geht es um Erinnerungen an früher, an bessere Zeiten,
um Hoffnung und um die vielen Missverständnisse, Gemeinheiten und Sticheleien im
Alltag.
Und um viele Fragen: Was haben wir falsch gemacht?
Hätte es ein anderes Leben gegeben, mit einem anderen Mann? Wer lässt wen allein
zurück? Wer kommt allein am besten klar? Ist es feige, sich zu wünschen, dass
man eher stirbt? Fragen, die Lore und Harry sich selbst oder dem anderen
stellen.
Und bei all diesen Zweifeln ist da immer wieder das
Gefühl, hin und wieder gar die Gewissheit, dass alles gut ist, wie es gerade
ist. „Harry, sind wir eigentlich glücklich?“ Meistens. Oder kommt die Erkenntnis
durch, noch einmal neu starten zu wollen? „Wann hat das alles aufgehört, Lore?
Ich muss es ändern, ich muss Lore der Partner sein, der ich ihr war. Ich liebe
dich. Ich bin glücklich, Lore.“ „Ich auch.“
„Großes Glück und große Traurigkeit, das liegt oft ganz
nah zusammen“, stellt Lore fest und ist sich, als sie dies sagt, wohl nicht
bewusst, wie nahtlos beides ineinander übergeht: Herzstillstand eine Woche vor
dem letzten Arbeitstag. Vor dem Ruhestand beim Aufräumen ihres Schreibtischs.
„Dein Herz, das gerade wieder so sehr im Einklang mit
dem meinen geschlagen hat, stand plötzlich still“, erzählt Harry und findet es
trotz aller Trauer ein wenig tröstlich, dass man sich am Morgen sehr liebevoll
voneinander verabschiedet habe. „Das war ja nicht immer so“, ist er sich
bewusst.
„Warum bist du jetzt nicht da und hast das letzte Wort?
Das wolltest du doch immer haben. Sag doch was“, fleht Weber am Ende. Die
szenische Lesung mit dem wunderbar aufeinander eingespielten Schauspielerpaar
lässt am Freitag niemanden im Saal kalt.
Eigenbericht als Vorankündigung
Auf eine szenische Lesung mit Ulrike Kriener und Georg Weber dürfen sich die
Besucher am 27. Januar im Bürgerzentrum freuen.
METTINGEN.
Der Förderverein Mettinger Schultenhof freut sich auf ein abwechslungsreiches
Mettinger Kultur-Programm im nächsten Jahr. Als erstes Highlight des Jahres,
gerade noch rechtzeitig zur Weihnachtsgeschenke-Planung, kündigt der
Förderverein eine szenische Lesung mit hochkarätiger Besetzung an: Ulrike
Kriener und Georg Weber inszenieren den Roman „Alte Liebe“ von Elke Heidenreich
und Bernd Schröder. Die szenische Lesung ist laut Pressemitteilung am Freitag,
27. Januar, um 20 Uhr im Bürgerzentrum.
Elke
Heidenreich und Bernd Schroeder haben mit „Alte Liebe“ in umwerfenden Dialogen
einen klugen, wunderbar leicht dahin fließenden Roman geschrieben. Schroff und
zärtlich, kratzbürstig und versöhnlich, ungeduldig und hadernd und dann wieder
schwelgend. In „Weißt du noch“-Erinnerungen erzählen sie die Geschichte eines
Ehepaars, in der sich eine ganze Generation wiedererkennen kann. Komischer sind
die Szenen einer Ehe noch nie erzählt worden, heißt es in der
Presse-Information.Alte
Liebe rostet nicht. Aber die Zeit ist an Lore und Harry nach 40 Jahren Ehe nicht
spurlos vorbeigegangen. Die leidenschaftliche Lore hat Angst, bald mit dem
frisch pensionierten Harry untätig im Garten zu sitzen. Nur in einem sind sich
die Alt-Achtundsechziger einig: Ihre Tochter Gloria hat alles nur Mögliche im
Leben falsch gemacht. Nun will Gloria in dritter Ehe einen steinreichen
Industriellen heiraten, der auch noch ihr Vater sein könnte. Wie konnte es so
weit kommen?
Ulrike Kriener gehört dank ihrer enormen Wandelbarkeit zu den meist
beschäftigten Charakterdarstellerinnen Deutschlands. Für ihren Part in „Der
Hammermörder“, „Reise in die Nacht“ und „Männer häppchenweise“ erhielt sie den
Grimme-Preis, den Telestar- und den Deutschen Fernsehpreis. Für die Kommissarin
Lucas (ZDF) wurde Ulrike Kriener mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.
Georg Weber, Jahrgang 1955, arbeitet als Schauspieler, Regisseur und
Drehbuchautor. Seine Komödien wie „Butter bei die Fische“ und „Meine Frau, ihr
Traummann und ich“ erzielten nicht nur Traumquoten, sondern wurden für die
lebensechten Figuren und pfiffigen Dialoge gelobt . Das Markenzeichen all seiner
Geschichten. Weber und Kriener sind seit 1992 verheiratet.