Ein Faden von Mensch zu Mensch
Häkeln sollen ab sofort möglichst viele Mettinger: Denn der Förderverein
Mettinger Schultenhof startet die Aktion „Wir nehmen den Faden auf“. Aus diesem
Häkelband wollen die Initiatoren ein Netzwerk entstehen lassen. Aus dem Band
selbst soll ein Mobile werden.

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Foto: Oliver Langemeyer
Ein Projekt für alle Generationen: Der Förderverein Mettinger Schultenhof will
einen ganz langen Faden von möglichst vielen Mettingern häkeln lassen. Daraus
soll dann ein Mobile werden. Ute Schwermann-Temmen vom Vorstand des
Fördervereins (2.v.r.) und Bürgermeisterin Christina Rählmann (3.v.r.) hoffen
auf viele Teilnehmer.
METTINGEN. Ruck, zuck reiht sich Masche an Masche. Regina Schröer, zwei
Seniorinnen aus dem Altenheim Maria Frieden, und Maria Klostermann häkeln
fleißig, während sie auf einer Bank vor dem Mettinger Schultenhof sitzen.
Häkeln sollen ab sofort möglichst viele Mettinger. Denn der Förderverein
Mettinger Schultenhof startet die Aktion „Wir nehmen den Faden auf“. Aus diesem
Häkelband wollen die Initiatoren um die stellvertretende Vorsitzende des
Fördervereins, Ute Schwermann-Temmen, ein Netzwerk entstehen lassen. „Gehäkelt
wird von Mensch zu Mensch und quer durch Mettingen“, erklärt sie.
Ziel des Projekts ist, das entstandene Häkelband am Samstag und Sonntag, 15. und
16. August, zu einem Mobile zu verarbeiten. Dann verwandelt sich der Schultenhof
wieder in Künstlerdorf mit zahlreichen kreativen Angeboten. Bis dahin hofft
Schwermann-Temmen auf rege Beteiligung der Mettinger Bürger.
An einigen Standorten im Ort – unter anderem in der Wohnbar, im Schlickelder
Pfarrheim oder im Rathaus – sind Körbe mit Wolle und Häkelnadel hinterlegt. Die
Körbe könnten von dort weitergereicht werden oder an diesem Ort bleiben,
berichtet Schwermann-Temmen. Die Teilnehmer können vor Ort häkeln oder zu Hause.
Wer beim Bürgerbüro vielleicht mal kurz warten müsse, könne sich so die Zeit
vertreiben, sagte Bürgermeisterin Christina Rählmann. Sie ist von dem Projekt
begeistert. Nach den ersten Maschen hatte sie schnell wieder den Bogen raus mit
dem Häkeln. „Ist aber schon länger her“, sagte sie.
Eigene Wollreste dürfen ebenfalls eingearbeitet werden. Motto: „Je bunter, desto
besser.“ Das Projekt ist außerdem auf weitere Wollspenden angewiesen. Dafür
steht im Rathaus eine Sammelbox bereit. So können sich auch Leute, die nicht
häkeln können, an der Aktion beteiligen. Zudem können Teilnehmer ihren
Häkelfaden verschicken. Sammelstelle ist bei Nicole Meyer,
Bürgermeister-Meyer-Straße 8 in Mettingen.
Darüber hinaus soll auch in Kindergärten, Schulen und im Altenheim gehäkelt
werden. „Wir nehmen auch einen Korb mit“, sagte Ingrid Witthake. Die
Koordinatorin des sozial übergreifenden Dienstes im Altenheim Maria Frieden ist
überzeugt, dass die Aktion gut ankommt. Regina Schröer und Maria Klostermann
machten den Anfang. „Obwohl Stricken einfacher ist“, sagte Regina Schröer.
Die Herren der Schöpfung sollten sich von dem Faden-Projekt ebenfalls
angesprochen fühlen, betont Nicole Meyer. Ob Fußballverein oder Skatclub. Für
alle Mettinger heißt es „Ran an die Nadel“. Bei Nicole Meyer laufen die Fäden
buchstäblich zusammen. Bis Montag, 10. August, müssen die Bänder abgegeben
werden.
Im Künstlerdorf auf dem Schultenhof wird das entstandene Häkelband
zusammengefügt und zu einem Teil eines Mobile. „Es soll zwischen den Bäumen
zwischen Haupthaus und Speicher aufgehangen werden“, sagte Ute
Schwermann-Temmen. Dieses Mobile solle schließlich die Vernetzung der Menschen
in Mettingen symbolisieren. Nach den zuletzt turbulenten Zeiten mit vielen
Diskussionen soll damit ein Zeichen des Zusammenhalts gesetzt werden. Wie eine
Gemeinde sei ein Mobile großen Dynamiken ausgesetzt, komme aber durch die vielen
Verbindungen immer wieder ins Gleichgewicht, erläutern die Initiatoren.
Neben dem Mobile gibt es beim Künstlerdorf zehn Projekte und Workshops für alle
Altersgruppen vom Marionettentheater bis zur Recyclingkunst. Einen Workshop für
Häkelkunst gibt es auch. Dort werden dann aber keine Fäden mehr, sondern je nach
Talent Herzen und Blumen gehäkelt.
Kommentar
Im Tüöttendorf ist in den vergangenen Monaten viel gestritten und diskutiert
worden. Sei es über die Grundschulen, oder über den Ferkelstall. Es war von
Gräben zwischen den Bürgern und von besonderer Streitkultur die Rede. Da kommt
die Idee des Fördervereins Schultenhof, gemeinsam ein Häkelband zu erstellen,
gerade richtig. Nicht, weil es in Mettingen nur noch Streit gibt. Das ist nicht
so, und deshalb sollte man die Auseinandersetzungen auch keineswegs zu hoch
hängen. Dieses Häkelband wäre aber trotzdem ein schönes Symbol für das
Gemeinschaftsgefühl im gesamten Ort. Bei der Erstellung kann sich zudem eine
ganz eigene Dynamik mit neuen Verbindungen entwickeln. Die Nachbarkommune
Hopsten hat das gerade mit der Erstellung der Totempfähle erfahren. Auch das
Fadenprojekt kann einen nachhaltigen Effekt erzielen. Also: Ran an die Nadel!
Oliver Langemeyer