Sie umfasst knapp 30 Bilder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Großformatige, farbige Landschaften, wie im Vorüberfahren aufgenommen, Einfallstraßen in amerikanische Städte, Zeichnungen vom Jakobsweg, die Vielfalt ist enorm, die Palette der Farben breit gefächert.
Selten habe er eine solche Farbenpracht im Kunstspeicher erlebt, schwärmt Bernhard Kötter, Beisitzer im Vereinsvorstand, am Freitagabend, als sich Künstler, Veranstalter und Besucher auf der Vernissage drängeln. „Ich sehe Landschaften, aber wie hält man die Zeit fest“, fragt er die gebürtige Chilenin und ihren Mann, mit dem sie in ihrer Wahlheimat Angelmodde zu Hause ist.
Dornheges Antwort ist philosophisch. Er spricht von den „Landschaften“ als „einerseits konkret erlebbaren Landschaften und andererseits als Kunstobjekten, wie sie hier in der Ausstellung zu sehen sind“. Diesem Bestimmten stehe das Unbestimmte gegenüber, „die Zeit als allgemeiner Begriff, als philosophischer Begriff und als physikalische Größe“, fährt er fort.
Reyes-Lorca versucht, die Beziehung von Landschaften und Zeit aus der Sicht einer Sechsjährigen zu beschreiben. Auf einer Wiese zu liegen, in den blauen Himmel zu schauen und noch das Grün der Bäume wahrzunehmen, sei ihr erstes Landschaftsbild gewesen. Da sei die Zeit stehen geblieben und „als die Zeit kam zu malen, war alles wieder da“.
Die Wahrnehmung von allgemeiner Landschaft und von Landschaft als Kunstwerk geschehe immer im Moment des Betrachtens, in der Gegenwart, im Präsens, erklärt Dornhege.
Bezogen auf die Vergangenheit bleibe „die erinnernde Vorstellung von allgemeiner Landschaft und Landschaft als Kunstwerk unbestimmt, nur als ungenaue Vergegenwärtigung nachvollziehbar“, während bezogen auf die Zukunft „antizipierend, geplante, sich entwickelnde, also zukünftige allgemeine Landschaft als zukünftige Landschaft vorgestellt, für wahr genommen“ werde und daher unbestimmt bleibe.

Bevor die Ausstellungseröffnung allzu „philosophie-lastig“ wurde, erinnerte Bernhard Kötter an die Hängung der Bilder des Paares. Den ursprünglichen detaillierten Plan der Künstler hätten er und sein Vereinskollege Otto Nienhoff über den Haufen geworfen, um nach intensiven Diskussionen mit Dornhege zum aktuellen Status quo zu gelangen, stellt er schmunzelnd fest.
Nicht nur die Veranstalter des Fördervereins Schultenhof sind begeistert von den Werken Reyes-Lorcas und Dornheges, auch die Besucher der Ausstellungseröffnung geraten ins Schwärmen, als sie von Bild zu Bild gehen. Das Paar hatte am Freitag seinen Fanclub mitgebracht. „Ich bin völlig überwältigt, wie viele Leute aus Angelmodde gekommen sind“, kommentierte Bernhard Kötter, der einigen Besuchern Einblick in die Historie des Kleinods Schultenhof gab.
Die Ausstellung „Landschaften und Zeit“ von Teresa Reyes-Lorca und Hans-Georg Dornhege ist im Kunstspeicher bis zum 5. April jeweils samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
