Eine packende Familiengeschichte
TV-Schauspieler Christian Berkel im Schultenhof
Heute, 26. Jan. 2020
- 16:52 Uhr
von Dietlind
Ellerich
200 Besucher verfolgen am Samstagabend die Lesung von TV-Schauspieler Christian Berkel im Schultenhof.
Damit sorgten sie für einen starken Auftakt in das neue Veranstaltungsgrogramm des Fördervereins Mettinger Schultenhof.

Auf Einladung des Fördervereins Schultenhof war der
Schauspieler Christian Berkel zu Gast in Mettingen. Er las aus seinem
Roman „Der Apfelbaum“, in der er seine Familiengeschichte über drei
Generationen Revue passieren lässt. Geduld war am Büchertisch gefragt, wo
Berkel wie am Fließband signierte.
Mit einem starken
Auftakt startete der Förderverein Mettinger Schultenhof am Samstag in sein
neues Veranstaltungsprogramm. 200 Besucher verfolgten den Auftritt des
Schauspielers Christian Berkel. Der 62-Jährige las nicht nur aus seinem
Buch „Der Apfelbaum“, sondern mahnte auch nachdrücklich, „auf unsere
Sprache zu achten“. Es fange immer mit der Sprache an, sagte er zum in
Europa zunehmenden Antisemitismus.
Über die Sprache werde der Boden geebnet und Toleranz
geschaffen, „und dann kommen die Taten“, forderte er sein Publikum auf,
bei verbalen Entgleisungen Flagge zu zeigen. Noch vor wenigen Jahren habe
er den heutigen Rechtsruck in Europa für „absolut unmöglich“ gehalten.
Offen geäußerter Antisemitismus wie die „Vogelschiss“-Aussage des
ehemaligen AfD-Bundessprechers Alexander Gauland im Bundestag sei „extrem
erschreckend“.
Berkels klare Kante liegt auch in seiner
Familiengeschichte begründet, die er im Buch „Der Apfelbaum“ beschreibt.
Der Sohn einer Halbjüdin hatte lange wenig über seine Vergangenheit
gewusst. „Es wollte niemand wirklich darüber sprechen“, erinnert er sich.
„Der Apfelbaum“ ist im Herbst 2018 erschienen und das Ergebnis jahrelanger
intensiver Recherchen. Für ihn seien die Lücken und Leerstellen in seiner
Geschichte vielleicht ebenso prägend gewesen wie die Dinge, die ihm
bekannt gewesen seien.
„Ich versuche zu erzählen, wie es dazu gekommen ist“,
macht der Schauspieler und Autor deutlich, dass das Geschehen des Romans
nur an die Familie Berkel angelehnt und keine Biografie sei. „Wer wann wo
gewesen ist, ist Familiengeschichte, was die Figuren im Einzelnen erlebt
und empfunden haben, ist natürlich fiktional“, erklärt er den Zuhörern.
Gebannt folgten diese der Lesung aus dem Buch und den Erklärungen über
seine Vorgehensweise.
Die einen kennen Christian Berkel aus Filmen wie „Der
Untergang“, „Operation Walküre“ oder „Inglourious Basterds“. Andere
verfolgen seit Jahren seine Ermittlungen als Hauptkommissar Bruno Schumann
in der ZDF-Serie „Der Kriminalist“. Wer von der Vergangenheit seiner
Familie gewusst oder bereits gelesen hatte, ist am Samstag umso
beeindruckter von der Geschichte, vor allem aber von Berkels Auftritt in
der Diele des Schultenhofs. Eindringliche Schilderungen über die Besuche
bei seiner an Demenz erkrankten Mutter vor wenigen Jahren oder über deren
Erlebnisse während des Kriegs im Sammellager Gurs in den französischen
Pyrenäen treiben manchen die Tränen in die Augen.
ich nicht hier, um sie zu erzählen“, versucht er dem
Grauen, das seine Eltern Sala und Otto erlebt haben, ein wenig den
Schrecken zu nehmen.