Tagebau / Re-Kultivierung?

Photographien zu den Orten in den Tagebau Revieren Köln-Aachen und der Lausitz - Foto: Karl Dorenkamp
Fotoausstellung im Kunstspeicher auf dem Schultenhof eröffnet
Braunkohlenabbau verändert
Dieter Blase (l.) Leiter der Werkstatt
für Photographie, und Bernhard Kötter vom Vorstand des Fördervereins
Schultenhof (5. v.l.) eröffneten im Kunstspeicher die Ausstellung
„Tagebau/Re-Kultivierung?“ Die anwesenden Künstler beantworteten
Fragen der zahlreichen Besucher: (v.l.) Frank Lemken, Marc Setrup,
Christian Becker, Richard Korff, Georg Niklasch und Jörg Lehmkühler.
Es fehlte Richard Klumpp.
Foto: Karl Dorenkamp
Von Brigitte Striehn
METTINGEN. Braunkohletagebaue verändern eine Region zweifach. Zum einen
verschwinden Orte und Menschen müssen umziehen, wenn der Abbau der Kohle
beginnt. Jahre, oft Jahrzehnte, später beginnt die Rekultivierung, die jedoch
niemals den ursprünglichen Zustand wiederherstellt. Mitglieder der „Werkstatt
für Photographie“ aus Altenberge haben sich die Aufgabe gestellt, diesem Prozess
nachzuspüren und zu dokumentieren, wie sich Orte durch die Förderung von
Braunkohle verändern. Bei der Eröffnung der Ausstellung
„Tagebau/Re-Kultivierung?“ im Mettinger Kunstspeicher gingen Bernhard Kötter vom
Vorstand des Fördervereins Schultenhof und der Leiter der Werkstatt,
Fotodesigner Dieter Blase, im Zwiegespräch Problemstellungen auf den Grund.
Hauptziel war die Darstellung der Veränderung der betroffenen Orte. Auch der
Begriff „Heimat“ wurde hinterfragt. „Wenn es etwas ist, in dem Menschen
kulturell verortet sind, gehört dazu viel Immaterielles“, hob Dieter Blase
hervor. Dies sei nicht einfach ersetzbar, wie am Beispiel von Friedhöfen
deutlich werde. Seine Werkserie „Metamorphosen der Identität“ ist im Rheinischen
Tagebau-Revier entstanden. Ihn beschäftigen das Spannungsfeld zwischen
Vergangenheit und Gegenwart sowie der Wandel der Arbeitskultur. Um eine Aussage
hervorzubringen, sei Recherche im Vorfeld erforderlich. „Man sieht nur, was man
weiß“, zitierte er Johann Wolfgang von Goethe.
Bei den Reisen führten die Fotografen in den Revieren oft Gespräche mit den
Einwohnern. Die Reaktion der Leute sei diametral entgegengesetzt zu der
öffentlichen allgemeinen Diskussion, so Blase. Er habe festgestellt, dass die
Leute zumeist hochzufrieden mit der neuen Situation sind, zumindest im Westen.
Warum auch nicht, wenn sie für eine alte Bruchbude ein neues Haus bekommen und
Abfindungen für die Grundstücke? In der Lausitz, in Ostdeutschland, sei der
Protest lauter, die Identifikation mit der Heimat stärker, sagte Blase.
Durch die einheitlichen Formate der Fotos sowie der Rahmung entsteht in den
Räumen auf den ersten Blick ein homogener Eindruck. Doch so ist es nicht
unbedingt. Bei näherer Betrachtung der relativ kleinen Fotos in Farbe oder
Schwarz-Weiß offenbaren sich Details, die den Umbruch der Regionen in
unterschiedlicher Perspektive und Herangehensweise der Künstler verdeutlichen.
M Die Ausstellung „Tagebau/Re-Kultivierung im Kunstspeicher auf dem Schul-
tenhof ist bis zum 6. Mai sams- tags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet
Vorbericht zur Ausstellung
Die Photographien hinterfragen den Begriff der Re-Kultivierung aus
unterschiedlichen Perspektiven und erweitern den Blick auf die Gegenwart und die
aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzung um die unterschiedlichen Formen
und Ausprägungen der Identität in der Region Köln-Aachen und der Lausitz.
Es sind die zahlreichen Orte und Formen der Identitätsfindung, die in alten wie
neuen Orten zu erkennen sind. Nüchtern und nuancenreich erkunden Schwarzweiß-
und Farbaufnahmen die Orte und Lebensräume der Regionen, um die Kontinuitäten,
Ungereimtheiten und Widersprüche aufzuzeigen, die für die Folgegenerationen mit
der Landschaft verbunden bleiben. Manche Orte legen eine »Metamorphose der
Identität« nahe, so dass sich die Frage stellt: Ist eine »Re-Kultivierung
möglich?«
Auf Grund der aktuellen Ereignisse an den Tagebauen stellt sich die Frage nach
einer passenden Erinnerungskultur für die Region mehr denn je. Seit mehreren
Jahren setzt sich die Gruppe in verschiedenen Themenfeldern mit dem Nutzungs-
und Bedeutungswandel von historischen Orten in Europa auseinander.
Dauer der Ausstellung:
Öffnungszeiten Kunstspeicher: