Nein, eine Schürzenjägerin ist Brigitte Hoffmeister wirklich nicht. Ein
Faible für das Textil, das seit Jahrhunderten Körper und Kleidung von Frauen
und Männern bei ihren vielfältigen Arbeiten schützt, hat die Bad Iburger
Künstlerin dennoch. Sie frönt aber nicht nur einer Sammelleidenschaft,
sondern setzt die Objekte in einen Kontext, verdeutlicht mit ihnen
gesellschaftliche Strukturen, politische Entwicklungen und Veränderungen im
Zusammenleben der Geschlechter.
„Weibsbilder“
nennt Hoffmeister die Ausstellung, die sie auf Einladung des Fördervereins
Schultenhof im Kunstspeicher zeigt. Das Wetter spielt zur Eröffnung am
Freitagabend so gut mit, dass einige Ausstellungsstücke auf der zwischen
zwei Bäumen gespannten Wäscheleine schon bei der Ankunft der Besucher für
Gesprächsstoff sorgen. Was liegt da näher, als die Vernissage direkt als
Freiluftveranstaltung über die Bühne gehen zu lassen?
Weibsbilder? „Was denn sonst?“, macht die Künstlerin deutlich, dass die
Schürze schon immer als Symbol für das Dienen, für die soziale Stellung und
nicht zuletzt für die Rolle der Frau stand. Den Einwand, dass auch Männer
Schürzen tragen, lässt sie nicht gelten. „Sobald sie sie ablegen, ist für
sie Feierabend“, beschreibt sie den Unterschied und den Weg der Befreiung
der Frau von gesellschaftlichen Zwängen und Normen, von einer
untergeordneten Position zur gleichberechtigten Partnerin. Jede Schürze, die
im Kunstspeicher hängt, verbindet Hoffmeister mit einem Text, der dem
Betrachter in einigen Fällen das ganze Dilemma der abhängigen Frau von anno
dazumal vor Augen führt. Vom Schürzenzins und dem Recht des Herrn auf die
erste Nacht mit der Magd ist da Rede, von der Wahl zwischen „Schürzenmantel
oder Selbstständigkeit“ oder von der Erinnerung an „Herzblättchen oder
Mädchenträume“.
Für viel Spaß, aber auch Nachdenklichkeit sorgte Gästeführerin Annette
Nagelmann-Knuf, die auf Einladung von Ute Schwermann-Temmen vom Förderverein
den in früheren Zeiten beschwerlichen Weg der Wäsche vom Körper bis zur
Bleichwiese anschaulich darstellte.
Schürzen für sonntags, für die Trauerzeit, für die Arbeit, Schürzen mit
links oder rechts gebundenen Schleifenbändern, die Geschichte vom
Lendenschurz bis zur Schürze in ihrer heutigen Form, vom damals
ausschließlich funktionellen bis zum heute auch dekorativen Kleidungsstück,
ist lang, und Brigitte Hoffmeister hat sie intensiv studiert. „Mit
Aristoteles fing alles an“, weiß die Bad Iburgerin, dass für den Philosophen
vor mehr als 2000 Jahren Frauen minderwertige, „von Natur aus defekte“
Geschöpfe waren. „Ein gelehrtes Weib ist für die häusliche Ökonomie
verloren“, verweist sie mit einem Zitat aus dem 18. Jahrhundertauf den
damaligen Status der Frau.
Kaum einer der Besucher, die am Freitag die Ausstellungseröffnung auf dem
Schultenhof verfolgen, wird sich in Zukunft eine Schürze umbinden, ohne sich
schmunzelnd oder auch nachdenklich an die kleine Zeitreise zu erinnern, die
der Förderverein gemeinsam mit der Künstlerin und der Gästeführerin
unternahmen.

METTINGEN. Vom 11. Mai bis zum 10. Juni zeigt der
Förderverein Mettinger Schultenhof unter dem Titel „Weibsbilder“ eine
Ausstellung der Bad Iburger Künstlerin Brigitte Hoffmeister. Im Mittelpunkt
der Arbeiten im Kunstspeicher stehen in unterschiedlichsten Formen,
Darstellungen und Zuordnungen „Schürzen“.
Schürzen sind für Brigitte Hoffmeister Medium, um
gesellschaftliche Strukturen, politische Entwicklungen und Veränderungen im
Zusammenleben der Geschlechter zu verdeutlichen. Im Laufe vieler Jahre hat
die begeisterte Sammlerin über 2000 Schürzen zusammengetragen und sie in
einem künstlerischen Prozess bearbeitet.

Der Wandel des Objekts Schürze hat die Malerin
inspiriert, sich mit ihrer Bedeutung für das Leben der Frau auseinander zu
setzen und sie in ihre Kunstobjekte einzubeziehen. Das Wort „Schürze“ findet
sich in vielen Sprachen in verschiedenartiger Form und zeigt eine lange
Kette sich ändernder Wortbedeutungen. Das bewusste Ablegen der Schürze im
20. Jahrhundert unterstreicht zum Beispiel die Befreiung der Frau von
gesellschaftlichen Zwängen und Normen, von einer untergeordneten Position zu
einer gleichberechtigten Partnerin.
Ausstellung Brigitte Hoffmeister – „Weibsbilder“;
im Kunstspeicher auf dem Schultenhof, Burgstraße 9 vom 11. Mai bis zum 10.
Juni. Eröffnung am Freitag, 11. Mai, um 20 Uhr. Geöffnet samstags und
sonntags von 15 bis 18 Uhr.