Montag, 25. Jun. 2018 - 17:54 Uhr IVZ
von Dietlind
Ellerich
Hannes und Paul und ihre große Liebe
Nachdenkliches Figurentheater gibt es am 24. Juni im Schultenhof.
METTINGEN. Zu einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Figurentheater des
Kulturspeichers Dörenthe lädt der Förderverein Mettinger Schultenhof alle
Figurentheaterfreunde ein. Gezeigt wird am Sonntag, 24. Juni, um 18 Uhr im
Schultenhof vom Seifenblasen-Figurentheater in einer Inszenierung des
weltbekannten Regisseurs Neville Tranter eine traurige Liebeskomödie für
Jugendliche (ab 16) und Erwachsene.
Die Besonderheit dieser Inszenierung liegt in der Verschmelzung zweier auf den
ersten Blick vollkommen unterschiedlicher Themen: „Homosexualität im
Nationalsozialismus“ und „Pyramus et Thisbe“, 2000 Jahre alte Liebeslyrik in
lateinischer Sprache.
Die Geschichte von Hannes und Paul bietet die Möglichkeit, die Dinge aus
sicherer Entfernung zu betrachten, spielt sie doch in einer längst überwundenen
Zeit in einem längst überwundenen Unrechtsregime und wäre so heute nicht mehr
möglich – oder vielleicht doch?
Zur Geschichte: 1943, Bombennacht in einer deutschen Stadt. Frau Schumann sitzt
in ihrer Küche und strickt für die Ostfront. Sie hat gerade ihren Sohn verloren,
nicht an den Krieg – an die Liebe. Die Liebe mit 16! Da ertönt der Voralarm. Ein
Nachbar klopft. Noch 20 Minuten Zeit bis zu einem der zahlreichen Luftangriffe.
Doch Sie hört den Alarm nicht. Sie hat ihr Kästchen wiederentdeckt. Ein Kästchen
voller Erinnerungen an ihren Sohn. Sie sieht Hannes als Baby und die
eigenwilligen „großdeutschen“ Erziehungsmethoden ihres Mannes, sie sieht noch
einmal die Begeisterung ihres inzwischen Sechsjährigen, geschürt von der
Euphorie des Vaters, als anlässlich der Machtergreifung Hitlers tausende von
Kindern in Braunhemden singend durch die Straßen marschieren, sie sieht Hannes
im Alter von zehn Jahren als „Pimpf“ und schließlich sieht sie ihn als
Jugendlichen in „sein Schicksal“ laufen. Das beginnt im Lateinunterricht mit
„Pyramus und Thisbe“ – Hannes spielt den Pyramus und sein Freund Paul die Thisbe
– und beide erkennen, dass da mehr als Freundschaft zwischen ihnen wächst.
Eine Schauspielerin und verschiedene direkt geführte Figuren agieren auf kleiner
Bühne mit wenig technischem Aufwand. Ort des Geschehens ist ein Zimmer einer
Wohnung in einem Mietshaus, spärlich möbliert mit ein paar Möbelstücken,
beleuchtet hauptsächlich mit Tisch- und Stehlampen, die jeweils direkt zu
bedienen sind. Zur Unterstützung der Atmosphäre dienen Toneinspielungen von
(Original-)Reden, Liedern und Geräuschen und, natürlich, der Text von Ovid.
M Karten sind erhältlich bei Gerbus (☎05452/
973017) und in der Touristinfo (☎05452/
5213) zum Preis von 13 Euro (Abendkasse 15 Euro).