Vernissage wurde zu einem alle Sinne ansprechenden Event

IVZ vom 17.01.2005

Eugen Eslage stellt unter dem Titel „Momente" im Speicher aus

T raditionell gehört zu einer Ausstellungseröffnung mehr als nur eine Einführungsrede zu den präsentierten Objekten. Eine so vielseitige Veranstaltung, wie sie am Freitag im Schultenhof geboten wurde, ist gleichwohl die absolute Ausnahme. Unter dem Titel „Momente" zeigt der Förderverein Mettinger Schultenhof großformatige Bilder des Fotografen Eugen Eslage aus Ibbenbüren.

Die Eröffnungsfeier war ein Event, der alle Sinne ansprach: Bereits im Vorfeld der Präsentation stimmte der Koch von „Roses Taverne" kulinarisch auf die fremde Welt der Fotoausstellung ein. An diesem Abend sollten aber alle Sinne angesprochen werden: Schmecken, Riechen, Hören, Fühlen und - last but not least - das Sehen. Sogar ihren Gleichgewichtssinn konnten die weit mehr als 100 Besucher im völlig überfüllten Schultenhof schulen.

Eslage hatte die Ausstellung nicht nur bis ins kleinste Detail vorbereitet, er hatte sie auch großartig inszeniert. Ehe die Fotobilder von ihren verhüllenden Tüchern befreit wurden, erklang Pink Floyds Instrumentalstück „Eine Schale voller Geheimnisse". Geheimnisvoller und dramatischer als diese Einspielung war jedoch die Life-Präsentation des „Großen Gongs", die den Schlusspunkt unter den raffinierten orientalischen Imbiss setzte.

Eslages langjähriger Reisebegleiter und Freund, der aus Laggenbeck stammende Psychotherapeut Bodo Peters; verstand es hervorragend, den Hörnerv zu stimulieren und den ganzen Körper für die Vibrationen empfänglich zu machen. „Achten Sie darauf, welche Bilder sich während des Spiels in Ihrem Kopf einstellen - wenn sich keine einstellen, macht es aber auch nichts", meinte er zuvor.

Das wogende bis hin zum brutalen Schwall gesteigerte Klangbild ließ an Wasserwellen denken. Im Klangzenit hielten sich etliche Hörer die Ohren zu, als ob sie an die jüngste Flutkatastrophe gedacht und das eigene Ausgeliefertsein gespürt hätten.

Der variable spannungsreiche Klang vermittelte aber auch beglückende Assoziationen, zwei Extreme, die in der Ausstellung ihre Entsprechung finden. Eslage hat mit seinen - erregenden Aufnahmen funkelnde und flüchtige Momente seiner Reisen von Algerien über Jemen bis hin zum Fernen Osten eingefangen. Diese sinnlichen Eindrücke in einer vom Duft von Räucherstäbchen geschwängerte Atmosphäre wirkten deutlich nachhaltiger als die einführenden Worte des Fotografen und des Vorstandsmitgliedes Bernhard Kötter für den Förderverein.

Die Ausstellung ist bis zum 27. Februar samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr zu besichtigen. Während der Öffnungszeiten können Restauflagen hochwertiger Fotokalender erworben werden, deren Reinerlös für die Anschaffung eines Fischerbootes in Laos bestimmt ist.

Sunhild Salaschek